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Die Europäische Union hat unter dem Namen PICCOLINGO eine EU-weite Kampagne zur Unterstützung der Mehrsprachigkeit gestartet. Sie richtet sich vor allem an Eltern und zielt darauf, Bewusstsein für die Tatsache zu schaffen, dass Kinder, die sehr früh beginnen, Fremdsprachen zu erlernen, es in ihrem späteren Leben einfacher haben werden, weitere Sprachen hinzuzulernen und fremden Sprachen und Kulturen selbstbewusst entgegenzutreten.

Im Rahmen dieser Kampagne wurden von Experten die häufigsten Fragen zum frühen Sprachlernen aufgegriffen und vor dem aktuellen Erkenntnisstand der Sprachwissenschaft beantwortet. Die wichtigsten Fragen haben wir hier für Sie zusammengestellt. Weitere Fragen und Antworten können Sie hier lesen.

Quelle: Piccolingo-Kampagne der EU-Kommission

1. Warum ist ein frühzeitiger Fremdspracherwerb so wichtig für Kinder? Heißt es in diesem Fall wirklich „je früher, desto besser“?

Es ist wichtig, das volle Potential kleiner Kinder auszuschöpfen. Eine Fremdsprache zu erlernen, kann einen ausgesprochen positiven Effekt nach sich ziehen. Die neuen Klangmuster trainieren das aktive Zuhören, was sie dann auch auf ihre Muttersprache anzuwenden lernen. Das bereitet sie auf die Art des Zuhörens vor, die sie später auch in der Schule erwartet.

Der soziale Aspekt der frühkindlichen Spracherziehung ist ebenfalls interessant. Die Kinder ordnen den Klängen, der Grammatik, den Wörtern und den Sätzen eine Bedeutung zu. Gleichzeitig entwickeln sie die Fähigkeit, sich an kulturell ungewohnte Dinge anzupassen.

2. Welcher Weg ist der beste, um Eltern von der frühen Spracherziehung zu überzeugen?

Es ist an sich unnötig, Eltern davon zu überzeugen, dass Englisch schon im Kindergarten oder in der Vorschule angeboten werden sollte. Der Knackpunkt ist, die Eltern überhaupt offen für andere Sprachen zu machen. Außerdem soll nicht nur die mittlere Gesellschaftsschicht angesprochen werden. Andere Gruppen und Menschen mit ausländischem Hintergrund, insbesondere diejenigen, die in Großstädten wohnen, sollen sich auch angesprochen fühlen.

Es ist sehr wichtig, die Eltern miteinzubeziehen. Eine Möglichkeit wäre es, Sprachkurse für Eltern anzubieten. Während ihr fünf-jähriger Sprössling zum Beispiel Bambini Soccer spielt, gäbe es „Mama lernt auch mit“-Kurse in Grundschulen, in denen beratende Aktivitäten von jungen, ausländischen Unternehmern vermittelt werden, die als Vorbild fungieren. Lehrer (einschließlich Vorschullehrer), die eine der Sprachen der eingewanderten Bevölkerungsgruppe beherrschen, sollen miteinbezogen werden.

3. Wo wir gerade bei der englischen Sprache sind, würde diese Strategie nicht Englisch so stark fördern, dass ein Nachteil für andere EU-Sprachen entsteht?

Eine verstärke Englischlehre ist generell in allen europäischen Bildungssystemen zu beobachten. Unglücklicherweise passiert es immer häufiger, dass Englisch die Sprache ersetzt, die vorher traditionell in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region unterrichtet wurde. Die Förderung anderer Sprachen neben Englisch, beispielsweise in Regionen, die an andere Länder angrenzen, begünstigt den Multikulturalismus. Wir empfehlen den Eltern, sich die Freiheit zu nehmen und auch ungewöhnliche Sprachen und Konzepte kennenzulernen.

4. Gibt es keine Bedenken oder Befürchtungen, die Kinder einem zu starken Druck auszusetzen?

Die Behauptung, die Kinder würden einem immensen Lerndruck ausgesetzt, ist nicht stichhaltig; vor allem, wenn man von rund 45 Minuten pro Woche ausgeht. Auch in bilingualen Kindergärten, in denen der Französischlehrer die “andere” Sprache (in diesem Fall französisch) benutzt, um alltägliche Dinge aufzuzeigen oder eine Geschichte vorzulesen, kann schwerlich von einem starken Druck auf die Kinder gesprochen werden.

Druck kommt nur zustande, wenn bestimmte Resultate innerhalb einer kurzen Zeitspanne als offizielles Lernziel festgelegt werden und ein Kind Angst aufgrund einer strengen Behandlung verspürt oder die Eltern zu anspruchsvolle Ziele für ihr Kind setzen.

5. Könnte das frühe Erlernen einer Fremdsprache die Muttersprache beeinträchtigen?

Eine vorübergehende Beeinträchtigung kann auftreten. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Sprachakquise, die nach dem 36. Lebensmonat begonnen wird, keine Beeinträchtigungen der Muttersprache zur Folge hat. Im Gegenteil, das Klang- und Rhythmusgefühl der Sprache wird sogar verstärkt, und wenn das Kind lernt, in der Fremdsprache zu schreiben, neigt es sehr häufig dazu, einen natürlichen Vergleich zwischen den beiden Schreibsystemen herzustellen.

Die Fähigkeit, Dinge zu vergleichen, was als komplexerer Denkprozess eingeordnet werden kann, wird auf jeden Fall trainiert. Es ist wichtig, die Fähigkeit zu erlangen, zwischen oberflächlich ähnlichen Systeme zu differenzieren. Die Kinder sind glücklich, kooperieren und versuchen zu kommunizieren, was der Leistung entspricht, die der Lehrplan für dieses Stadium vorsieht.

5. Kann die frühe Spracherziehung die Identitätsbildung beeinträchtigen?

Kinder wissen nicht, dass eine Vielfalt besteht und erkennen diese auch nicht als solche. Sie beobachten andere Kinder, ohne ihre Unterschiedlichkeit bewusst wahrzunehmen.

Indem sie zwei Sprachen lernen, erlernen sie gleichzeitig, in zwei Sprachen zu denken und erfahren dadurch eine Pluralität, die sie aus der Gefangenschaft einer monolithischen Identität befreit. Eine der häufigsten Kritikpunkte der frühen Sprachakquise ist die Gefahr, eine Person ohne Wurzeln hervorzubringen; aber in Wirklichkeit haben sie Wurzeln wie jeder andere Mensch. Sie wissen jedoch, dass diese Wurzeln nicht die einzige Möglichkeit darstellen und dass es genauso viele Wurzeln gibt, wie es Menschen gibt.

6. Verbessert der frühe Fremdspracherwerb auch die Wahrnehmungsfähigkeit?

Diese Formulierung ist in vielerlei Hinsicht richtig. Eine andere Sprache ist eine Herausforderung; eine andere Sprache ist faszinierend; das Arbeiten mit den  Lernmaterialien macht Spaß. Der Besuch einer Einzelperson oder einer ganzen Kindergartengruppe aus einem benachbarten Land weckt die Neugierde des Gastgebers und es ist in seinem Interesse seine Gäste auch zu verstehen.

Befunde zeigen, dass ein früher Fremdsprachenerwerb auch nonverbale Wahrnehmungsfähigkeiten stärkt, wie beispielsweise Mathematik.

7. Fällt es Kindern, die schon früh an eine Fremdsprache herangeführt wurden, leichter, eine weitere Fremdsprache zu erlernen?

Es fällt ihnen leichter, wenn sie durch guten Unterricht und geeignete Lehrer in stimulierende Situationen gebracht wurden, an denen ihnen die Nützlichkeit der Sprache vor Augen geführt wurde.

8. In welcher Weise erhalten die Vorschul- und Schullehrer eine Ausbildung? Wie kann diese noch verbessert werden?

Lehrer beider Stufen benötigen sowohl das Wissen und den nötigen Einblick in den Prozess des Fremdsprachenlernens, als auch die Methoden, um diesen Prozess zu erleichtern. Des Weiteren brauchen sie Bewertungskriterien, um den Erfolg ihrer Umsetzungsmethode zu beurteilen.

Die Möglichkeit, ein kurzes praktisches Trainingsprogramm zu absolvieren oder als Gast einer Unterrichtsstunde einer Schule im Ausland beizuwohnen, muss vereinfacht werden.

9. Was sind die besonderen Herausforderungen, auch in Bezug auf den Familienhintergrund des Kindes? Wie kann die Mehrsprachigkeit bei Kindern mit Migrationshintergrund gefördert werden?

Die meisten Kinder mit Migrationshintergrund sind bereits mehrsprachig. Als erstes sollten die Eltern miteinbezogen werden, damit sie das örtliche Schulsystem und die dahinterstehenden Werte begreifen. Auch ältere Geschwister könnten mit ins Boot genommen werden und von den Schulen angesetzte Bonus-Programme könnten anspornen, an dem Lernprozess teilzunehmen.

10. Was passiert, wenn die Kinder in der Schule aufhören, die Fremdsprache zu lernen oder in der Schule stattdessen eine andere Fremdsprache erlernen?  Wären dann die Bemühungen der frühzeitigen Fremdsprachakquise umsonst gewesen?

Das Problem der Kontinuität existiert in jedem Fall, auch wenn die Kinder anfangen, Englisch im Kindergarten zu lernen und den Lernprozess in der Schule fortsetzen. Es ist weniger schwerwiegend, wenn der frühe Spracherwerb weniger dem Erwerb sprachpraktischer Kenntnisse einer bestimmten Sprache als vielmehr allgemeine Ziele zum Zweck hatte. So wie der Ausschuss in seinem Action Plan 2004 -2006 bestätigt: “Der frühe Spracherwerb im Kindergarten oder in der Grundschule ist effektiv, weil er eine offene Grundhaltung gegenüber anderer Sprachen und Kulturen schafft und das Fundament für eine spätere Sprachakquise legt.“

Auch wenn in den nachfolgenden Bildungsstufen weniger Raum für Sprachen ist, werden die Kinder durch einen frühen Spracherwerb offener, und die Angst vor Fremdsprachen, sowie die mit ihnen assoziierten Schwierigkeiten, werden ihnen genommen.

11. Es ist eine gute Sache, eine frühe Sprachakquise und zwei- oder mehrsprachige Kindergärten zu fördern, aber in vielen Ländern existieren keine Strukturen oder keine Unterstützung für die Eltern in diesem Gebiet, oder es ist nicht finanzierbar für manche Familien. Was hat der Ausschuss vor, um dem entgegenzuwirken?

Es gibt einen generellen Trend in Europa, die Altersgrenze der Kinder bei der Fremdsprachakquise herabzusetzen. Natürlich gibt es bislang gravierende Unterschiede von Land zu Land. Der Ausschuss hat auf diesem Gebiet nur begrenzte Kapazitäten; die Mitgliedsstaaten sind hauptsächlich selbst dafür verantwortlich, die Ziele zu erreichen, die in Barcelona festgelegt wurden. Was der Ausschuss macht, ist dem Thema eine hohe Priorität zu geben, Aufmerksamkeit zu erregen und die Mitgliedsstaaten in ihren Bemühungen zu unterstützen, um letztendlich Synergien zu erzeugen.

Quelle: Piccolingo-Kampagne der EU-Kommission